Kammermusik

Tobias Berndt und Johannes Tolle widmen sich in ihrem Recitals dem wohl romantischsten aller Liederzyklen. In 24 Liedern vertont Schubert die Gedichte Wilhelm Müllers, die von enttäuschter Liebe, im tieferen Sinne aber vom existentiellen Ausgesetztsein des Menschen handeln. Im Freundeskreis Schuberts wurden die "schauerlichen Lieder" zunächst distanziert aufgenommen, wie Joseph Spaun berichtet: "Wir waren über die düstere Stimmung dieser Lieder ganz verblüfft, und Schober sagte, es habe ihm nur ein Lied, Der Lindenbaum, gefallen. Schubert sagte hierauf nur, "mir gefallen diese Lieder mehr als alle und sie werden euch auch noch gefallen"; und er hatte recht, bald waren wir begeistert von dem Eindruck der wehmütigen Lieder".

Lieder von Robert Schumann und Robert Franz stehen im Zentrum dieses Programms. Der Liederkreis nach Gedichten von Eichendorff ist wohl neben der Dichterliebe der bekannteste von Schumanns Liederzyklen, die daraus stammende "Mondnacht" das vielleicht populärste deutsche Kunstlied. Wie "Belsazar" und "Widmung" entstand der Zyklus in der euphorischen Produktivität seines "Liederjahres" 1840. Die mitreißenden Vertonungen der fünf Andersen-Gedichte op. 40 aus dem gleichen Jahr sind dagegen erstaunlicherweise relativ unbekannt geblieben. Sie teilen hier das Schicksal vieler Lieder von Robert Franz,  die es wert sind, dem Vergessen entrissen zu werden und über den Schumann sagte: "Er will uns das Gedicht in seiner leibhaftigen Tiefe wiedergeben".